"Sinclair"-Haus und Haus der Familie von Proeck

Zunächst gehen wir die Dorotheenstraße vom Schlosseingang aus hinunter: In diesem wohlbekannten Haus Ecke Löwengasse 15, dem sog. Sinclairhaus, wurde 1724 Friedrich Carl Casimir von Creuz geboren, Homburger Regierungsrat und Dichter. Sein Vater Johann Chr. Creutz von Würth hatte es in den 1720er Jahren erworben; sein Bruder Claudius Justinian war mit Friederike Auguste von Ende verheiratet, die für zwei ihrer Schwestern die Hochzeiten in diesem Haus ausrichtete (die eine heiratete Alexander Adam von Sinclaire, die andere den Hofprediger Claude Louis Pache). Wir werden den vier Schwestern von Ende noch begegnen.

Isaac von Sinclairs Geburtshaus ist es nicht (das hat Angelika Baeumerth nachgewiesen). Die Bronze-Gedenktafel, die dieses behauptete, ist nach der Renovierung nicht mehr dort zu finden. Mitglieder der Familie von Creuz wohnten in der Folge hier. 1796 kam es an Johann Christian Rind, den Kaufmann und Stifter. 1801 kaufte es Landgraf Friedrich V. Ludwig, der nicht zulassen wollte, dass dort das Rind’sche Stift eingerichtet werden sollte. Die Armen sollten ihm nicht zu nahe rücken. 1802 kam es an einen Kaufmann Georg Ludwig Leutwein und zur Zeit von Hölderlins zweitem Aufenthalt gehörte es diesem. Treffen Hölderlins und seiner Freunde haben dort wohl nicht stattgefunden.

 

 

Viel wichtiger ist das Haus Dorotheenstraße 6 (rekonstruiert), das Sinclairs Mutter anlässlich ihrer zweiten Heirat mit August Leberecht von Proeck 1784 kaufte. Hier wohnten sie und ihr Sohn (wenn er in Homburg war). Es ist in den 1990er Jahren rekonstruiert worden. Zu Sinclairs Vita nur kurz: Er wurde 1775 geboren, verlor bereits 1778 seinen Vater Alexander Adam von Sinclaire, Erzieher Friedrichs V. Ludwig, (Parallele zu Hölderlin). Die Verbindung zum Landgrafenhof blieb eng, Sinclair wurde zus. mit Landgrafensöhnen Philipp und Gustav unterrichtet (zeitweise im Creuz-Haus); studierte Jura in Tübingen 1792, in Jena 1794/95 – dort schloss er Freundschaft mit Hölderlin, sie hörten gemeinsam Fichtes Vorlesungen und Hölderlin wurde auch mit Sinclairs Freundeskreis bekannt, „junge hoffnungsvolle Männer von Geist und Herz“ (und revolutionären Ideen). Sinclair verließ Jena 1795 weil er in Studentenunruhen verwickelt war; er trat 1796 in den Dienst des Landgrafen und machte schnell Karriere, 1797 Justizrat, 1798 Regierungsrat, 1805 Wirkl. Geh. Rat; seine diplomatischen Sendungen führten ihn u.a. 1798 zum Kongress in Rastatt, [wo die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich und die Entschädigungsfragen verhandelt wurden], 1802 zum RT Regensburg, [Vorbereitungen zum RDHS] (zu beiden nahm er Hölderlin mit); 1805: sog. „Hochverratsprozess“ in Württemberg (Untersuchung wegen „Anschlag gegen das Leben des Churfürsten …“); ohne Verfahren musste er 4 Monate Haft auf der Solitude verbringen.

Durch die Einverleibung der Landgrafschaft in das Ghzt. Hessen 1806 verlor er seine Ämter und damit auch die Möglichkeit Hölderlin zu schützen. Er starb 1815 als Vertreter Homburg auf dem Wiener Kongress.

 

Das Haus Dorotheenstraße 6 war auch – bereits in Hölderlins Frankfurter Jahren – ein wichtiger Treffpunkt des Freundeskreises um Sinclair, teils diskutierten hier Homburger „Hofdemokraten“ wie Franz Wilhelm Jung und Philipp Jakob Leutwein, teils Freunde aus Tübinger und Jenaer Studientagen (Georg Friedrich Wilhelm Hegel). Auch neue Freunde, die Sinclair und Hölderlin als Teilnehmer am Kongress in Rastatt 1798, kennen gelernt hatten (Friedrich Muhrbeck, Casimir Ulrich von Böhlendorff und Fritz Horn). Er nannte sie „Bund unserer Geister“.

 

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