Haus Pache und Gernings' Tauninum

In der Dorotheenstraße 11 befand sich das Pfarrhaus der französisch-reformierten Gemeinde, hier wohnte Claude Louis (de) Pache (1734–1814), von 1779 bis zu seinem Tod Pfarrer dieser Gemeinde und Oberhofprediger. [Er war auch Mitglied der „Société patriotique de Hesse-Hombourg“, einer nur kurz (1775 bis 1781) existierenden Aufklärungsgesellschaft am Homburger Hof.] Wichtig in unserem Zusammenhang ist Claude Paches Heirat mit Sophie Amalie von Ende, einer Schwester von Sinclairs Mutter Auguste Wilhelmine von Proeck. Sie gehörten also zu “Sinklairs Familie“, die Hölderlin so positiv charakterisierte:

„Sinklairs Familie besteht aus vortreflichen Menschen, die mich alle schon längst bei meinen Besuchen mit zuvorkommender Güte behandelten, und seit ich wirklich hier bin, mit so viel Theilnahme und Aufmunterung mich überhäufften, daß ich eher Ursache habe, mich um meiner Geschäffte und um meiner Freiheit willen zurükzuziehn, als zu fürchten, daß ich gar zu einsam leben möchte.“

 

Witwe Pache war als letzte überlebende Tante die Erbin Sinclairs.

Das Eckhaus Löwengasse 17, das für den Bau der Erlöserkirche abgerissen wurde, gehörte ab 1804 Johann Isaak von Gerning, Sammler, Gelehrter, Diplomat mit vielseitigen Verbindungen. 1804 hessen-homb. Geheimrat; 1805 erhielt er den Reichsadelsstand (er legte sich das schöne Prädikat „von Taunheim“ zu); 1816 Homburger Bundestagsgesandter in Frankfurt; auch als Schriftsteller betätigte er sich: „Skizze von Frankfurt am Main“, 1800; „Die Heilquellen am Taunus“, 1813.

Über ihn und seine Beziehung zu Hölderlin hat Gregor Maier im neuen Mitteilungsheft des Geschichtsvereins geschrieben. Ähnlich wie Sinclair war Gerning einer der Akteure des regen Geisteslebens am und um den Homburger Landgrafenhof in der Zeit um 1800. In seiner Person werden die literarisch-gelehrten Netzwerke greifbar, in denen sich auch Friedrich Hölderlin bewegte. Gerning suchte bereits 1798 eine Verbindung zu Hölderlin, dachte an eine jährliche Zusammenkunft „teutscher Musenfreunde“ oder „verstreut lebender Griechen“, evtl. „bey Frankfurt in Homburgs Lustwäldern am Fuße des Taunus“. Er war auch mit Johann Caspar Zinck, dem Konrektor und Musiker verbunden, den er offenbar schon 1800 mit Hölderlin bekannt machen wollte. Dazu sogleich.

Erst 1804 kam es zu einem Zusammentreffen in Homburg, unglücklicherweise wohl etwas zu spät, wie zwei Zitate bezeugen:

 

„Sinclair brachte mir Hölderlin, der Bibliothekar geworden, aber ein armer Schlucker ist und trübsinnig. ‚quantum distat ab illo‘ schrieb mir Haug von ihm.“ Tagebuch Gerning, Homburg, 28. Juni 1804

 

„Hölderlin, der immer halb verrückt ist, zackert auch am Pindar“ 

Brief  Gerning an Knebel 11. Juli 1805

 

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