Die Hölderlin-Wohnungen in der Haingasse

Wie erwähnt, existieren die beiden Häuser in der Haingasse, wo Hölderlin zur Miete wohnte, nicht mehr. Von der ersten Wohnung, beim Hofglasermeister Wagner, die er 1798 bezog, kennen wir aus seinen Briefen einige Details:

„Ein paar hübsche kleine Zimmer, … einen eigenen großen Tisch im Speissaal der auch zugleich mein Schlafzimmer ist, und eine Kommode daselbst, und hier im Kabinet einen Schreibtisch wo die Kasse verwahrt ist, und wieder einen Tisch, wo die Bücher und Papiere liegen, und noch ein kleines Tischchen am Fenster, an den Bäumen, wo ich eigentlich zu Hauße bin, und mein Wesen treibe, und Stühle hab‘ ich auch für ein paar gute Freunde, …“

 

Die Haingasse ging damals in einem Bogen zur Judengasse, hinter dem Haus, das schräg zum Straßenverlauf stand, gelangte man in unbebautes Gelände, in die Audenwiesen, von wo der Weg Hölderlin häufig Richtung Hardtwald oder Ellerhöhe führte. Das Haus wurde im Zuge der Stadterneuerung durch Landgraf Friedrich VI. Joseph und Landgräfin Elisabeth in den 1820er Jahren abgebrochen und dem Straßenverlauf folgend wieder aufgebaut.

Auch Landgräfin Elisabeth (Eliza) hat in diesem Jahr 250. Geburtstag. Es wird eine Ausstellung im Schloss geben, die am 21. Mai eröffnet wird.

 

Der Dichter fühlte sich offenbar bei Wagner wohl, er schreibt u.a. von dessen Freundlichkeit ihm gegenüber, er durfte auch einmal das Petschaft des Glasermeisters verwenden, um einen Brief zu versiegeln, als er selbst keines zur Hand hatte.

 

Hölderlins letzte Wohnung befand sich in der Haingasse 12, bei Sattlermeister Lattner (das Haus wurde 1962 durch einen Neubau ersetzt), viel ist darüber nicht bekannt. Georg Schudt schreibt 1865:

„…dann zog er in die Haingasse zu einem Sattlermeister […] Sein zeitweise eintretender Irrsinn steigerte sich manchmal zu Wutanfällen, während er schrecklich auf sein Clavier, ein Geschenk der Prinzessin Auguste, loshämmerte.“

 

Von hier wurde der Dichter 1806 nach Tübingen abtransportiert

Ein Haus ist noch zu erwähnen, hier wohnte Hölderlins Freund Casimir Ulrich von Böhlendorff April bis Juni 1799 beim Metzger Fischer, Anfang der Haingasse, in Hölderlins unmittelbarer Nachbarschaft. Auf dem Kongress in Rastatt 1798, zu dem Sinclair Hölderlin eingeladen hatte, hatten sie die Bekanntschaft von Geistesfreunden gemacht, die Hölderlin als junge Männer voll Geist und reinen Triebs …“ bezeichnete: Böhlendorff, Muhrbeck und Fritz Horn; sie trafen später in Homburg wieder. Böhlendorff beschrieb damals ­seine Freunde folgendermaßen – es ist eine sehr interessante Charakterisierung:

„Ich habe hier einen Freund, der Republikaner mit Leib und Leben ist [Sinclair] – auch einen andern Freund, der es im Geist und in der Wahrheit ist – die gewiß, wenn es Zeit ist, aus ihrem Dunkel hervorbrechen werden; der lezte ist Dr. Hölderlin, der Verfasser des Hyperion, einer Schrift, die Epoche zu machen, im tiefsten Sinne verdient.“

 

Weiterlesen: Schulberg 3 und 5