Hölderlins Orte in Homburg

Es war für den Dichter eine Zäsur in vieler Hinsicht: Zunächst eine gewisse Vereinsamung, er schrieb in der ersten Homburger Zeit viele und ausführliche Briefe. Dann der Versuch, durch geheime Treffen den Kontakt mit Susette in Frankfurt aufrechtzuerhalten. An seine Wanderungen dorthin erinnert der sog. Hölderlin-Pfad „in naher Ferne“, wo in diesem Jubiläumsjahr auch einige Veranstaltungen stattfinden werden.

 

Aber: Für Hölderlin begann in Homburg auch eine neue Periode seines Schaffens und sozusagen eine neue Begründung dieses Schaffens, deshalb sind auch die theoretischen Überlegungen poetischer und philosophischer Art, die er hier anstellte und im Freundeskreis diskutierte, so bedeutsam. Ich werde zum Schluss eine kleine Übersicht über die Werke bringen, die Hölderlin wirklich in Homburg geschaffen hat. Einige wenige davon werden im Laufe dieses Vortrags zitiert werden.

 

Während es in Frankfurt keine authentischen Orte Hölderlins mehr gibt, kann man im heutigen Bad Homburg noch einige finden. Die Häuser allerdings, in denen der Dichter gewohnt hat, sind abgebrochen, eines davon ist rekonstruiert worden (dazu sogleich). Aber die Straßen rund um das Schloss, die Herrngasse, Schulgasse (heute Schulberg) und vor allem die Dorotheenstraße, lassen die Anmutung der Zeit um 1800 erspüren. Hier finden wir Häuser von Hofbeamten und Bürgern (etliche unter Denkmalschutz), darunter solche, in denen Homburger Bekannte Hölderlins gewohnt haben und in denen philosophische und literarische Zirkel stattfanden. Diesen Spuren wollen wir nun folgen. Ich möchte Sie zu Orten führen, die mit Hölderlins beiden Aufenthalten in Homburg vor der Höhe in Beziehung stehen. Diese Orte sind hierfür auf dem modernen Plan der Innenstadt markiert, und zwar mit roten Ziffern, wenn sie existent bzw. rekonstruiert sind, und mit grünen Ziffern, wenn nur auf alte Abbildungen zurückgegriffen werden kann. Wir gehen aus vom ältesten Stadtplan von Homburg vor der Höhe (Bruch’scher Plan, 1787), der 1991 rekonstruiert wurde und mit einem Verzeichnis der Hauseigentümer bis 1886 publiziert vorliegt (MittGVHG 41. Heft, 1993). Er bildet also die Situation zur Zeit der Aufenthalte Hölderlins ab und ich werde daraus Ausschnitte zeigen.

Isaac von Sinclair schreibt 1804 an Hölderlins Mutter über ihren Sohn:

„… befindet sich derselbe vollkommen wohl u. zufrieden, und nicht nur ich, sondern außer mir noch 6-8 Personen, die seine Bekanntschaft gemacht haben, … freuen sich sehr darüber seines Umgangs profitiren zu können.“

 

Diese Personen sind nur zum Teil bekannt und von einigen war es schwer, selbst rudimentäre Lebensdaten aufzufinden. Das gilt besonders für die Menschen, mit denen Hölderlin gewöhnlichen Umgang hatte, wozu Regierungsbeamte, Pfarrer und Lehrer sowie auch „Sinklairs Familie“ gezählt werden. Hier wird deutlich, wie eng das Beziehungsgeflecht dieser Personen in einer so kleinen Stadt wie Homburg war. Zum anderen ist auf die Personen am Landgrafenhofe einzugehen: Das Schloss [markiert A] soll separat betrachtet werden. Personen aus dem literarischen und philosophischen Umfeld des Dichters spielen hier nur eine Rolle, soweit sie in Homburg mit Hölderlin zusammentrafen.

 

Weiterlesen: "Sinclair"-Haus und Haus der Familie von Proeck