Hölderlin zieht nach Homburg

Die kleine Residenzstadt hatte er bereits in der Frankfurter Zeit mehrfach besucht, erstmals war er in Homburg im Januar 1796 und er spricht auch schon von „sehr interessanten Menschen“, die er hier kennenlernte. Im Haus von Sinclairs Mutter, Frau von Proeck in der Dorotheenstraße 6 (heute noch bestehend: ein „authentischer“ Hölderlin-Ort) fanden Treffen mit Sinclair, Hegel und anderen Freunden statt, die Begeisterung für die französische Revolution hegten, es existierte in Homburg ein Kreis von „Hofdemokraten“ (dazu sogleich). Auch das Erlebnis des Taunus fällt bereits in diese Zeit., er erkundete die Gegend u.a. bei zahlreichen Wanderungen. Mit seinem Halbbruder Karl Gok war er z.B. im April 1797 auf dem Feldberg, worüber er seiner Schwester berichtete:

„Er mußte gleich den andern Tag mit mir nach Homburg hinüber, zu Sinclair, einem ganz vorzüglichen jungen Manne, …. Tags darauf ging es auf das Gebirge der Gegend, von dessen Spitze wir viele Meilen hinauf den königlichen Rhein und seinen kleinen Bruder, den Main, sahn,… und Frankfurt mit den lieblichen Dörfern und Wäldchen, die drum herum liegen,...“.

 

In einer späteren Fassung der Ode „Der Wanderer“ (Spätsommer 1800) kommt dieses Erleben zum Ausdruck und hier findet sich der Begriff „Taunus“: Aber lächelnd und ernst ruht droben der Alte, der Taunus, und mit Eichen bekränzt neiget der Freie das Haupt.

Nach der Flucht aus dem Hause Gontard, Ende September 1798 also: Ankunft in Homburg. Hier sehen Sie eine Ansicht um 1815, die die Hofdame Gustavie de Sinclaire gefertigt hat, Peter Lingens hat dazu im aktuellen Heft des Geschichtsvereins geschrieben. Das Schloss, obgleich im 19. Jahrhundert mehrfach verändert, lässt heute noch zT die Aura der Epochenwende um 1800, also der Zeit der Aufenthalte Hölderlins empfinden.

Sinclair, der seit 1796 Regierungsrat war, lud ihn ein, in die kleine Residenzstadt mit damals etwa 3000 Einwohnern. Er vermittelte ihm eine Wohnung, wo Hölderlin ziemlich zurückgezogen lebte, doch liebte er es auch, im Kreise von Freunden aus der Studienzeit und anderen Gleichgesinnten zu „poetisieren“ und zu philosophieren.

Hölderlin schrieb an seine Mutter über seinen fluchtartigen Ortswechsel:

„Hiezu kam, daß mein Freund, der Regierungsrath von Sinklair in Homburg, der an meiner Lage in Frankfurt schon lange teilgenommen hatte, mir rieth, zu ihm nach Homburg hinüberzuziehen, …, und mir durch ungestörte Beschäfftigung endlich einen geltenden Posten in der gesellschaftlichen Welt vorzubereiten.“

Hölderlin an die Mutter 10.10.1798, StA VI, 1, Nr. 165, S. 283

 

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