Hölderlin in Homburg - Spurensuche

 

 

Einleitung: beim nachfolgenden Text handelt es sich um einen von Frau Dr. Barbara Dölemeyer im Januar 2020 in der Villa Wertheimber abgehaltenen Vortrag mit einer Power-Point Präsentation. Nachfolgend finden Sie diesen Vortrag auch als PDF-Version zum Download. Besonders die Bilder enthalten Hinweise auf Veranstaltungen im Hölderlin-Jahr 2020, die jedoch zum Teil wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten/werden müssen.

Im Hölderlinjahr 2020 gedenken wir des 250. Geburtstags des Dichters Friedrich Hölderlin, der insgesamt etwa 3 ½ Jahre in Homburg vor der Höhe lebte (von Ende September 1798 bis Anfang Juni 1800 und Ende Juni 1804 bis 11. September 1806). Die Stadt Bad Homburg hat ein vielfältiges Jubiläumsprogramm organisiert, der Kulturfonds FrankfurtRheinMain tut dasselbe für die ganze Region. Denn: Hölderlin gehört nicht nur den Baden-Württembergern.

 

 

Wir sind ja noch ziemlich am Anfang des Hölderlin-Gedenkens und vielleicht kennen noch nicht alle unter Ihnen die Lebensdaten auswendig. Zunächst also hier eine ganz knappe Übersicht: Wie kam es, dass Hölderlin, der Dichter, der Philosoph, der studierte Theologe und hartnäckige Pfarrverweigerer, in unsere Region kam und eine Hofmeisterstelle bei der Frankfurter Familie Gontard annahm? Geboren wurde er am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar in eine Familie der württembergischen „Ehrbarkeit“, ein Geflecht aus angesehenen Pfarrers- und Beamtenfamilien. Er verlor bereits mit zwei Jahren den Vater und 1779 den Stiefvater Johann Christoph Go(c)k. Die Bindung an seine zweimal verwitwete, pietistische Mutter war zeitlebens sehr stark. Ab 1784 lernte er in den strengen Klosterschulen Denkendorf und Maulbronn, 1788 trat er als Stipendiat in das evangelische Stift in Tübingen ein, wo er Theologie, Philosophie und (griech.) Philologie studierte. Stubengenossen und Freunde waren u.a. Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) und Friedrich W. Joseph Schelling (1775-1854). Hölderlin legte 1790 das Magisterexamen, 1793 das abschließende Konsistorialexamen. Seine Mutter bemühte sich immer wieder, ihm zu einer Stelle im Württembergischen Pfarrdienst zu verhelfen, dem setzte er hartnäckigen Widerstand entgegen. Er verfolgte einen ganz anderen Lebensplan, den eines freien Dichters und Schriftstellers (er spricht vom „Dichterberuf“). Die finanziellen Mittel dazu hätte er aus dem väterlichen Erbe wohl gehabt. Dem standen zwei Faktoren entgegen: Zum einen die ganz spezielle Beziehung zu seiner Mutter, sie verwaltete das Geld und er hatte nie den Willen oder die Kraft, sich ihr offen zu widersetzen. Zum anderen war die Ausbildung im Tübinger

Stift mit der Verpflichtung zum Pfarrdienst verbunden und dem konnte Hölderlin nur entgehen, wenn er eine adäquate Ausweichposition nachwies. Dazu gehörten eben Hofmeister- bzw. Hauslehrerstellen – er musste sich aber vom Konsistorium jeweils beurlauben lassen. Vor und nach der Stellung bei Gontard in Frankfurt hatte Hölderlin ähnliche Positionen inne: bei der Familie der Charlotte von Kalb in Waltershausen (1793-1795), später im schweizerischen Hauptwil (Januar-April 1801) und in Bordeaux (1801-1802), die jeweils in überstürzter Abreise endeten. 1794/95 studierte er in Jena, wo er mit dem Freund Isaac von Sinclair zusammen wohnte.

 

 

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