Die Häuser Dorotheenstraße 34-38

Wir gelangen nun die Straße abwärts zum rekonstruierten Haus 34-36, in dessen Vorgängerbau Hölderlins Wohnung in den Jahren 1804-1805 war, bei dem Uhrmacher Calame, wie wir aus einem Brief Sinclairs an Hölderlins Mutter wissen:

„Er wohnt im Hause eines französischen Uhrmachers, Namens Calame, gerade in der Gegend, wo er es wünschte. Es sind sehr brave Leute, die alles für ihn besorgen und wo er sehr gut aufgehoben ist.“

 

Calame kam aus Valangin (Neuchâtel), 1768-1826, hatte das Haus 1794 gekauft, er war Kirchenvorsteher der franz.-ref. Gemeinde. Aus den Jahren des zweiten Homburger Aufenthalts sind keine Briefe Hölderlins überliefert. Als das Verhalten des Dichters, man bezeichnete es als Toben oder Irrsinn, zu belastend für die Familie wurde, musste er in sein letztes Homburger Domizil in der Haingasse 12 umziehen.

 

Auch das Nebenhaus Nr. 38, ebenfalls rekonstruiert, hat Bezug zu Hölderlins Aufenthalt:

Karl August Varnhagen von Ense, der immer auf der Jagd nach Autographen war, notiert in seinem Tagebuch, Homburg 1845: „Breidenstein ist seit dreiundfünfzig Jahren hier im Amte, und hat Sinclair und Hölderlin sehr gut gekannt, jedoch keine Papiere mehr von ihnen.“ Dieser Johann Georg Breidenstein (1769-1847), damals Oberhofprediger, war eine der 6-8 Personen, von denen Sinclair an Hölderlins Mutter berichtete, dass der Dichter engeren Umgang mit ihnen hatte. Er war nach dem Theologiestudium 1793-1796 Hauslehrer in Lausanne; kam durch Vermittlung des Orgelbauers Philipp Heinrich Bürgy mit dem Homburger Landgrafenhof in Verbindung, 1796 nach Homburg v.d.H. berufen; seit 1800 franz.-ref. Pfarrer; 1814 (nach dem Tode Paches) Oberhofprediger. Neben dem Pfarramt betrieb Breidenstein seit 1798/99 im Hause der Hofapotheke, Dorotheenstraße 10, ein Lehrinstitut, das durch die Aufnahme junger Engländer, Franzosen und Russen bedeutenden Ruf genoss und sich später in der Dorotheenstraße 38 unterhalb Calame befand. Er war also damals Hölderlins nächster Nachbar. Beliebt waren von ihm arrangierte Konzerte und es war sicher vor allem die Musik, die den Dichter mit ihm verband.

 

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