Hölderlin und die Prinzessinnen Auguste und Marianne

Über die geheime Zuneigung, die die damals 21jährige Prinzessin Auguste zu Hölderlin hegte und über die sie viele Jahre später ihrer am preußischen Hofe lebenden Schwester Marianne schrieb, haben zuerst die Hölderlinforscher Werner Kirchner und Ernst Georg Steinmetz berichtet. Auguste schätzte den ersten Band von Hölderlins Briefroman „Hyperion“ (1797) und verehrte den Dichter insgeheim. Hölderlin widmete der Prinzessin zu ihrem 23. Geburtstag die Ode „Der Prinzessin Auguste von Homburg. Den 28 ten Nov. 1799“ und zugleich schenkte er ihr die Handschrift seines „Gesang des Deutschen“. Die Prinzessin antwortete Hölderlin auf das Widmungsgedicht:

Die Empfindungen der Dankbarkeit bei Erhaltung Ihrer Geschenke nötigen mich Ihnen diese Zeilen zu senden, auch der Wunsch begleitet sie, Ihres schmeichelhaften Lieds nicht unwürdig zu sein: doch das bin ich nicht.- Ihre Laufbahn ist begonnen, so schön und sicher begonnen, daß sie keiner Ermunterung bedarf: nur meine wahre Freude an Ihre Siege und Fortschritte wird Sie immer begleiten.

 

Die Geburtstagsode hielt sie zeitlebens geheim.

Außerdem hat Hölderlin ihr einen oder sogar beide Bände des „Hyperion“ als Widmungsexemplare zugeeignet. In der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern befindet sich ein Exemplar des zweiten Bandes des Hyperion von 1799 mit der eigenhändigen Widmung des Dichters, das bislang in der Forschung eher unbeachtet blieb. Die Zeilen „Den deutschen Frauen danket!/ Sie haben uns/ Der Götterbilder freundlichen Geist/  bewahrt.“ stammen aus dem „Gesang des Deutschen“. Für die Restaurierung dieses Hyperion-Widmungsexemplars hat die Stadt Bad Homburg eine Buchpatenschaft übernommen. Das Museum kann in seiner Ausstellung im Gotischen Haus ab 16. Februar 2020 leider nicht das restaurierte Original, aber ein Faksimile zeigen.

 

 

Mit diesem Hyperion-Exemplar hängt auch die wunderschöne Geschichte um Marianne und Auguste zusammen. Im Sommer 1816 hielten sich zur Feier des 50jährigen Regierungsjubiläums des Landgrafen alle noch lebenden Landgrafensöhne und die drei Töchter Amalie, Auguste und Marianne in Homburg auf. Bei einem der Spaziergänge im Schlosspark kam es zu einem vertrauten Gespräch zwischen Auguste und Marianne, auf das diese in einem Brief anspielt und sie fragt schließlich die Schwester: Wage ich zuviel, wenn ich nun noch um etwas bitte, …, liebe Schwester, und du das einmal ausgesprochen hast, so darf ich vielleicht? ... Wie hattest du Hölderlin geliebt? Wie tausendmal schwebte mirs in jener Nacht beim Spaziergang auf den Lippen“. Auguste sandte ihrer Schwester ein ausführliches Schreiben, das sie selbst als ihr „Testament“ bezeichnete und das eine Art Lebensbekenntnis enthält. Marianne antwortete mit einem langen Brief, in dem das o.e. Hyperion-Exemplar als Erinnerungs-Moment eine wichtige Rolle spielte.

„Ich sehe noch den Hyperion hell grün eingebunden auf Deinem schattigen Fenster liegen. Hölderlin gefiel mir sehr wohl…“

Heute noch kann man sich bei einem Blick aus einem Fenster des Königsflügels des Homburger Schlosses in die Kastanienallee, die (wieder) zum Eingang der Dorotheenstraße führt, diese Situation vergegenwärtigen. Laut Inventar von 1772 befanden sich die Zimmer der landgräflichen Kinder im zweiten Obergeschoß des Eckpavillons.