Bildbericht von der Exkursion nach Usingen am 14. August 2010

St. Laurentius

Der Turm der St. Laurentius-Kirche ist das weithin sichtbare Wahrzeichen Usingens. Er bildete für die vom Förderverein Kreisarchiv des Hochtaunuskreises zusammen mit dem Geschichtsverein Bad Homburg veranstaltete Nachmittags-Exkursion gewissermaßen den Fixpunkt unserer Besichtigungstour, die bei strahlendem Sonnenschein am verkehrsreichen Schlossplatz begann.

 

 

(Foto: Dölemeyer)

1. St. Laurentius

Die Exkursion begann mit der Besichtigung der spätgotischen Hallenkirche, deren Ursprünge nach einer Urkunde des Klosters Fulda im 8. Jahrhundert liegen. Zur Kirche gelangt man über die Pfarrgasse, vorbei am gotischen Pfarrhaus (Foto 1: Ruppmann).

Unser Mitglied, Herr Architekt Lothar Jost, hatte dankenswerterweise die Führung übernommen. Chor und Orgelprospekt stammen aus dem 17. Jahrhundert (Fotos 2: Ruppmann).

Vor dem Chor beeindruckte ein aus Vilmarer Marmor gehauener Taufstein aus dem 18. Jahrhundert (Foto 3: Ruppmann).

An der Rückwand des Chores befindet sich eine kleine Nischen, an deren Decke ein Sandsteinplastik eingemauert wurde, die entfernt an den Kopf des Keltenfürsten vom Glauberg erinnert (Foto 4: Ruppmann)

Das eigenwillig geformte Kreuzrippengewölbe in der Sakristei überstand als einziges Bauteil den verheerenden 2. Stadtbrand im Jahr 1635 (Foto 5: Ruppmann)

In der nur für unsere Besuchergruppe geöffneten Fürstengruft ruhen die Angehörigen der herzoglichen Familie, beginnend mit Fürst Karl (+ 14. Juni 1775) und endend mit Prinzessin Auguste Amalia (+ 16. Juli 1846) (Foto 6: Dölemeyer).

Das älteste Grab von Fürst Wilhelm Heinrich befindet sich in der alten, nicht zugänglichen Gruft.

 

(Hinweis:  Sie können die Fotos in der Bildergalerie durch Anklicken vergrößern und mit Einfach- bzw. Doppel-Klick auf die >- bzw. II-Taste ein Bild nach dem anderen aufrufen.)

 

2. Spaziergang durch die Altstadt (Unterstadt)

Der Name unterscheidet den im 15. Jahrhundert entstandenen gotischen Teil der Usinger Altstadt vom barocken Teil ("Oberstadt" bzw. "Neustadt"). Die heutige Bausubstanz zeigt eine Mischung aus den ursprünglichen Gebäuden und den Häusern des Wiederaufbaus nach den beiden Stadtbränden von 1624 und 1635.

Den Höhenunterschied zu der auf einem Felsen erbauten Kirche erkennt man im Blick zurück besonders gut (Foto 1: Ruppmann).

Zu sehen waren mehrere liebevoll renovierte, zweigeschossige Fachwerkhäuser mit traditioneller roter Bemalung der Eichenbalken, aber auch Häuser im Verfall. Typisch sind die auskragenden Obergeschosse (Foto 2: Dölemeyer) und die nur mannsbreiten Gassen (Foto 3: Ruppmann).

 

3. Junkernhof

Die Besichtigung des in die Jahre 1563 bis 1570 zu datierenden Junkernhofes, einer der stattlichen Adelshofe der Frühen Neuzeit, bildete den Höhepunkt der Exkursion (Foto 1: Ruppmann).

Den Zugang zu diesem im Privatbesitz befindlichen Gebäude eröffnete uns unser Mitglied Marianne Beckert, der wir an dieser Stelle für die umfassenden Informationen und die familiäre Gastfreundschaft herzlich danken (Foto 2: Ruppmann). 

Die Ursprünge des Hofes reichen bis 1360 zurück, als die damalige Stadt Usingen gegründet wurde und eine Stadtmauer erhielt. 1563 erwarb Reinhard von Schletten von seinem Territorialherrn Philipp von Nassau ein an dieser Stelle stehendes Haus, das "die Badstube" genannt wurde (Foto 3: Ruppmann; Reliefstein aus dem frühen 17. Jahrhundert an der südlichen Außenwand von St. Laurentius).

1570 durfte von Schletten zwei benachbarte Häuser kaufen und mit seinem ersten Haus vereinen.

Der 3. große Stadtbrand ging 1692 vom Junkernhof aus. Das heutige Gebäude repräsentiert in den Gundzügen den Bauzustand des Wiederaufbaus im Jahre 1693, der im Zusammenhang mit der barocken Stadterweiterung ("Neustadt") erfolgte .

Der Junkernhof wird  seit 2002 von der Eigentümergemeinschaft in akribischer Detailarbeit renoviert, der bewundernswerte archäologische und bauhistorische Forschungen vorausgingen. Die bei den Ausschachtungsarbeiten gefundenen, bis ins späte Mittelalter zurückreichenden Bodenüberreste legen Zeugnis von der wechselvollen Geschichte des Hauses ab.

Die Mitglieder unseres Vereins fühlten sich in dem historischen Ambiente sichtlich wohl und genossen auf Terrasse und im Garten Kaffee und Kuchen (Fotos 4 + 5: Ruppmann).

Mit einem letzten Blick vom Garten des Junkernhofes auf den alles überragenden Kirchturm von St. Laurentius verabschiedeten wird uns von unseren Gastgebern aus Usingen (Foto 6: Ruppmann). 

 

© Reiner Ruppmann, Bad Homburg 2010