Bericht über die Exkursion nach Krakau

Reise des Vereins für Geschichte und Landeskunde Bad Homburg v.d. Höhe
und des Fördervereins Kreisarchiv nach Krakau vom 2. Juni bis 6. Juni 2011



Reisablauf

2. Juni:                Ankunft Krakau ca. 18.30h, mit dem Bus zu den Hotels im                                                
                            Stadtteil Kazimierz, Gemeinsames Abendessen

3. Juni:
9.30-12.30:      Stadtrundgang mit einheimischem Führer (englisch)
14.00-17.00:    Nationalmuseum (Muzeum Narodowe)
                         (Führung: Frau Grzechca-Mohr)
4. Juni:
10.30-11.30:    Jagiellonen-Universität, Collegium Maius
12.00:              Veit Stoss-Altar in der Marienkirche, Festtagsseite
14.30-17.00:    Wawel: Schloß, öffentliche Gemächer (offizielle Führung)
                         Kathedrale (Führung: Grzechca-Mohr)
5. Juni
10.00-12.00:    Wyspianski-Museum (Muzeum Stanisława Wyspiańskiego
        (Führung: Grzechca-Mohr)
15.30:              Jan Matejko-Haus / Dom Jana Matejki (Führung: Grzechca-Mohr)

6. Juni
10.30:              Kazimierz: kurze Einführung in die Geschichte (Grzechca-Mohr)
11.00-12.30     Besuch des Galizischen Jüdischen Museums (Galicja. Żydowskie
                        Muzeum, mit Museumsführer)
Abflug: 18.55

Bericht (Text und Bilder Prof. Dr. Barabra Dölemeyer)
Vom Flughafen ging es stracks in die Hotels Columbus und Globus, die zwischen Altstadt (fussmarschweise zu erreichen) und dem Stadtteil Kazimierz (dem jüdischen Viertel) liegen, in dem sich neben den Einrichtungen aus dieser Kultur zahlreiche Restaurants, z. T. mit Klezmer-Darbietungen finden und die wir häufig frequentierten.

Der Stadtrundgang (Bild 1) am 3. Juni führte sozusagen im Geschwindschritt zu den wichtigsten Punkten der Altstadt (Stare Miasto), um einen Überblick über das zu schaffen, was in den nächsten Tagen näher zu besichtigen war: Ausgangspunkt Matejko-Platz, der Beginn des sog. Königswegs (via regia, trakt królewski), auf dem die Monarchen Einzug in die Stadt hielten.

Barbakan(e) (Bild 2): Rest einer Backsteinbastion aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, mit 7 Wachtürmen; die Barbakane war mit dem angrenzenden Florianstor (Bild 3) verbunden. Dort steht auch ein Stadtmodell (Bild 4), das neben Erläuterungen in mehreren Sprachen auch solche in Brailleschrift aufweist; derartige Modelle finden sich vielen wichtigen Punkten der Stadt, u.a. neben der Marienkirche.
Floriansgasse (Ul. Florianska) (Bild 5): eine Straße mit vielen alten Häusern, an denen interessante Portale und Inschriften zu finden sind, große Einkaufs- und Touristenstraße
Marktplatz (Rynek) mit Tuchhallen (Bild 6)
Mitten auf dem Platz steht ein Turm als Rest des Alten Rathauses (Bild 7)

Weiter geht es über den Marktplatz zum m.E. ehrwürdigsten Gebäude der Stadt, dem Collegium maius der alten Jagiellonen-Universität (Innenhof: Bild 8). Der Bau mit drei gotischen Giebeln ist Zeugnis der 1364 gegründeten zweitältesten Universität Mitteleuropas (die Universität Prag wurde 1348, Wien 1365 gegründet). Kazimierz (Kasimir der Große) erlangte 1364 von Papst Urban V. das Universitätsprivileg; die Tätigkeit wurde wohl erst 1367 aufgenommen. Königin Jadwiga (Hedwig, aus der Kapetinger-Dynastie), Gemahlin des Königs Ladislaus Jagiello, erlangte die Bewilligung auch einer theologischen Fakultät, so dass die Universität Krakau 1400 zur Volluniversität wurde. Das Wappen der Universität (zunächst Wappen des Rektors) zeigt zwei gekreuzte Szepter. In der Außenwand sieht man den Erker der Stuba communis (Gemeinschaftsraum der Studenten) (Bild 9).

Über der Galerie mit der Porta Aurea (Eingang zur Libraria) ein Glockenspiel: zu jeder ungeraden Stunde ertönt das Studentenlied „Gaudeamus igitur“ (wir haben kräftig mitgesungen), dann ein Glockenspiel und dazu erscheinen die Gestalten des Pedells, der Königin Jadwiga, des König Ladislaus Jagiello, des Rektors mit den gekreuzten Szeptern, u.a. (Bild 10).

Weiter ging es zum Collegium novum, einem weiteren Universitätsgebäude, dann durch den „Planty“, der die Altstadt 4 km lang wie ein grüner Gürtel umfasst.

Viele Kirchen, von denen wir einige teils von innen, teils nur von außen besichtigen, so die
Franziskanerkirche, mit Glasmalereien, entworfen von Stanisław Wyspiański.

Nach 2 ½ Stunden Stadtbesichtigung eine wohl verdiente Mittagspause in einem Restaurant auf dem Marktplatz.

Der Drache ist ein Wahrzeichen Krakaus; in der Höhle des Drachen an der Weichsel lebte der Sage nach ein Ungeheuer, das viele Tiere und Menschen fraß; nur ein kluger Kopf konnte ihn zur Strecke bringen. Der Schuster Krak warf dem Drachen ein mit Pech und Schwefel ausgestopftes Schaf zum Fraß vor, als er es verschlang, bekam er großen Durst, trank Wasser aus der Weichsel und zerbarst mit einem großen Knall. Heute gibt es Krakau Drachenumzüge, Drachenfest etc. (Bild 11).

Nachmittags besuchten wir das Nationalmuseum, unter spezieller kundiger Führung von Frau Dr. Grzechca-Mohr, der Leiterin des Bad Homburger Museums im Gotischen Haus, die uns an diesem Tag und noch öfter in die Feinheiten der polnischen Kunst- und Kulturgeschichte einführte.

Am 4. Juni konnten wir einiges, dass wir tags zuvor nur im „Schweinsgalopp“ durchlaufen hatten, genauer betrachten, so das Collegium maius, mit Einzelheiten der Universitätsgeschichte.

Besonders beeindruckend war aber die Besichtigung der Marienkirche (Bild 12) und vor allem der Festtagsseite des berühmten Marienalters von Veit Stoß (geschnitzt 1477-1489) (Bild 13). Er besteht aus dem Mittelschrein und zwei beweglichen sowie zwei unbeweglichen Flügeln. Samstags um 12 Uhr wird der Altar von einer Nonne geöffnet, dass die Festtagsseite mit Szenen aus dem Marienleben sichtbar wird.

Nachmittags – bei ziemlicher Sonne und Hitze – folgte dann der Aufgang zum Wawel, dem Schloss (Bild 14). Hier ging es zunächst in die Kathedrale, in der Polens Könige sich von 1320 bis 1764 krönen ließen und fast alle wurden auch hier bestattet. Horst Günter May erläuterte kundig den Unterschied verschiedener Marmorsorten, die bei den Grabskulpturen verwendet waren.

Dann ging es durch den Arkadenhof (Bild 15) in die offiziellen Gemächer, wo wir durch eine offizielle Schlossführerin geführt wurden (leider nicht durch Frau Grzechca-Mohr, aber Pflicht).

Vor dem Wawel gibt es eine schöne Terrasse mit erholsamem Café und Blick auf die Weichsel (Wistula). An diesem Tag feierte Krakau sein Drachenfest, mit Musik, Umzügen und vielen Drachennachbildungen.

Am Sonntag, dem 5. Juni hatten wir die Wahl: Zeit für Stadtspaziergänge (bei ziemlicher Hitze) oder für anderes zur freien Verfügung oder Besichtigung von zwei kunst- und auch kulturhistorisch interessanten Museen: des Wyspiański-Museums (Muzeum Stanisława Wyspiańskiego und des Jan Matejko-Hauses / Dom Jana Matejki (beide unter Führung durch Frau Grzechca-Mohr). Der Künstler Wyspiański war ein Multitalent: Dramatiker, Maler, Zeichner, Dichter und Architekt. Sein vielfältiges Wirken wird in einem restaurierten Adelspalais aus dem 17. Jahrhundert dargestellt. Im Jan-Matejko-Haus ist das Wirken des polnischen National- und Historienmaler Matejko ausgestellt. Frau Grzechca-Mohr brachte uns die kulturellen und historischen Zusammenhänge und die Beziehungen der polnischen Maler zur europäischen Kunstszene nahe, eine spannende Einführung nicht nur in die polnische Kunstgeschichte.

Montag, 6. Juni hatten wir noch genügend Zeit, uns in Kazimierz genauer umzusehen. Frau Grzechca-Mohr gab eine kurze allgemeine Einführung und dann besuchten wir das Jüdisch-galizische Museum (Galicja Muzeum). Es gibt einen guten Führer durch „Das jüdische Krakau. Stadtführer über jüdische Denkmäler und Gedenkstätten“ von Eugeniusz Duda. U.a. konnten die Hohe Synagoge (Synagoga Wysoka, heute Ausstellungsraum und Buchhandlung), die Remuh-Synagoge (Bild 16) mit dem Alten Friedhof und die Alte Synagoge (Stara Synagoga, Museum jüdischer Kultur) besucht werden.
Interessant fand ich auch die Gedenktafel von 1907 an die „Aufnahme der Juden in Polen“ am ehemaligen Rathaus von Kazimierz am Wolnica-Platz (Relief von Henryk Hochman). Sie erinnert in der Darstellung der Figuren an verschiedene „Aufnahmeszenen“ u.a. von Hugenotten. (Bild 17).

Nach einem ruhigen Flug landeten wir abends voll interessanter Eindrücke wieder in Frankfurt.

 

Die Bilder zum Text sind in der nachfolgenden Bildergalerie zusammen gestellt (Anordnung in Zeilen von Bilder 1, 2 bis Bilder 14, 15. Das Bild "Innenhof Collegium maius fehlt noch).


Bildergalerie zur Krakau-Reise