Exkursion ins Hohenloher Land

Die gemeinsame Exkursion des Vereins für Geschichte und Landeskunde Bad Homburg sowie des Fördervereins Kreisarchiv des Hochtaunuskreis vom 04. bis 07. Juni 2015 stand in diesem Jahr unter dem Motto

Schlösser, Kirchen, Reichsstädte – Geschichtslandschaft Hohenlohe im Mittelalter und der Neuzeit“.

Ausgewählt hatten wir dieses Exkursionsziel aus zwei Gründen. Zum einen bestanden zahlreiche Bezüge in den Taunus, meist aufgrund einstiger familiärer Verbindungen der Adelsfamilien. Zum anderen bildet das historisch gesehen zu Franken gehörende Hohenloher Land sehr anschaulich die kleinteilige politische Landschaft des Alten Reiches mit Reichsstädten, Reichsklöstern, großen und kleinen Adelsherrschaften ab. Wir lernten einen reichsweit bedeutenden Stützpunkt eines wichtigen Ordens (Deutschordensschloss Mergentheim) ebenso kennen wie das entlegene Schloss, dass sich eine adlige Witwe ausbauen ließ (Untergröningen); die durch die Salzproduktion wohlhabend gewordene Reichsstadt (Schwäbisch Hall) ebenso kennen wie den winzigen Residenzort (Bartenstein). Lobend erwähnt seien die Referate aus den Reihen der Teilnehmer, namentlich von Harro Kieser (über den aus dem Hohenloher Land stammenden Ingenieur Max Eyth), Horst-Dieter Müller (zu hohenlohischen Münzen), und Walter Ried (zu den Kronbergern auf der Gamburg

und Johann Ludwig Christ).

 

 

Die Reisegruppe auf einer Terrasse der Gamburg.

04.06.2015

Bevor wir unser Quartier in Bad Mergentheim bezogen, steuerten wir die über einer Tauberschleife gelegene Gamburg an. Im Laufe der Jahrhunderte hatte die im 12. Jahrhundert erbaute Burg zahlreiche Besitzer. Im 16. Jahrhundert gaben sich die Adelsgeschlechter aus dem Taunus hier die Klinke in die Hand. Besonders prominent zeigt sich das am Allianzwappen über dem Eingang zum Palas, mit den Wappenschildern der Herren von Kronberg und der Brendel von Homburg. Dies zeugt von der ehelichen Verbindung der Kronberger Vettern Hartmut XIV. und XV. welche die Burg 1590 erwarben, mit den Schwestern Margarete und Magdalena Brendel von Homburg. Zuvor gehörte die Burg bereits Dietrich von Hattstein (1568) und Eberhard Brendel von Homburg (1570).

Heute befindet sich die Burg in privatem Besitz und gehört der Familie von Mallinckrodt. Sie wurde nie zerstört, und dies hatte zur Folge, dass der Besitzer Hans Georg Baron von Mallinckrodt, der uns auch führte, uns das besondere Kleinod der Burg zeigen konnte. Bei der Renovierung eines Saals im ersten Stock des Palas zeigte sich 1986, dass sich unter den späteren Umbauten noch viele Reste eines ursprünglichen, prachtvoll ausgestatteten Saales befanden. Dazu zählten romanische Säulenarkaden, vor allem aber Reste der Bemalung, die zu den ältesten mittelalterlichen profanen Malereien in Deutschland zählen. Nach Interpretation der Kunsthistoriker war der ganze Saal mit Szenen aus dem 3. Kreuzzug (1189-1192) bemalt, an welchem der damalige Besitzer der Burg namens Beringer teilgenommen hatte.

Am Nachmittag besuchten wir das Deutschordensmuseum in Schloss Mergentheim. Die gewaltige Schlossanlage entwickelte sich aus einer Wasserburg. Während der für den Deutschen Orden nicht einfachen Umwälzungen der Reformation bezog Deutschmeister Walter von Cronberg Schloss Mergentheim. Zwei Jahre später wurde er zum Hochmeister ernannt, und von da an blieb die Burg bis 1809 Sitz der Hochmeister. Vor allem die barocke Schlosskapelle und der restaurierte Empfangssaal und die riesigen Hochmeisterporträts in einem der Flure erinnerten an diese Zeit, während ein großer Teil der originalen Einrichtung während der Säkularisation im 19. Jahrhundert und der späteren Nachnutzung verschwand. Herr Maier führte uns auf dem Rückweg kurz durch die Stadt und berichtete über das Leben von Walter von Cronberg, dessen Grabmal wir wegen der Renovierung der Marienkirche nicht besuchen konnten.

 

Führung in der Gamburg mit dem Besitzer Georg Baron von Mallinckroth

05.06.2015

Stellvertretend für die vielen Reichsstädte im Südwesten besuchten wir Schwäbisch Hall. Während die Stadt noch viel von ihrer historischen Bausubstanz bewahrt hat, ist ausgerechnet von der Saline, der sie ihren Wohlstand verdankte, oberirdisch nichts mehr zu sehen. Im oberen Teil der Stadt thront die St. Michaelskirche mit ihrer riesigen Freitreppe, die heute auch für Theateraufführungen genutzt wird. Zentraler Blickpunkt ist der Hochaltar von 1460. Von reichsstädtischem Bürgerstolz zeugten die großzügigen Grabmäler der Bürgermeister im Chor. Besonders stach aus zwei Gründen aber die vergleichsweise kleine Grabanlage von Thomas Schweicker (1541-1602): zum einen war der geachtete Bürger ohne Arme geboren worden; zum anderen gelang ihm trotz seiner Behinderung die berufliche Karriere als Stadtschreiber und Kalligraf. Dies führte dazu, dass er seine Grabinschrift, die ein seltenes Beispiel für eine papierene Grabplatte darstellt, selbst gestaltete.

Am Nachmittag galt es, wie auf vielen unserer Exkursionen üblich, der Homburger Landgrafenfamilie nachzuspüren. Dazu suchten wir das Schloss Untergröningen auf. Auf dem Weg dorthin berichtete Barbara Dölemeyer über die Beziehungen des Ortes zu Bad Homburg. Die abgeschiedene Anlage geht auf das Mittelalter zurück und beherbergt heute gleichermaßen ein Heimatmuseum, die

Ausstellungsräume eines Kunstvereins und die katholische Kirchengemeinde. Dort führte uns Thomas Dehlinger engagiert. Seine heutige Gestalt erhielt das Schloss wesentlich durch die von Sophia Friderica von Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein (1714-1777). Sie war Tochter Ludwig Georgs von Hessen-Homburg und Enkelin Friedrichs II. Von Hessen-Homburg. Nach einem Erbstreit fiel ihr Schloss Untergröningen 1774 per Los zu; sie hatte sich das Schloss als Witwensitz erwählt, starb aber wenig später. Die katholische Fürstin ließ die Schlosskirche gemäß ihrem Glauben barock umgestaltet. Dort erinnert heute noch ihr Grabdenkmal an sie, wobei noch ungeklärt ist, wo sich die eigentlich Grablege befindet.

 

 

 

Kaffee und Kuchen von den freundlichen Gastgebern im Schloss Untergröningen

Grabplatte der Sophia Friderica von Hohenlohe-Bartenstein

Unser letztes Ziel an diesem Tag war Obersontheim. Auch das dortige Schloss ist mit den Landgrafen verbunden. Es stammte aus der Erbmasse von Christina Magdalena vom Limpurg-Speckfeld, der Frau von Ludwig Georg von Hessen-Homburg, und Mutter von Sophia Friderica. Feldforschung auf der Exkursion, das war etwas Neues: wir suchten in der dortigen Kirche nach dem Grabmal von Christina Magdalena; es war aber trotz Grabsteinen zahlreicher anderer Limpurgerinnen nicht mehr aufzufinden. Das Schloss selbst ist heute privat bewohnt. Der freundliche italienische Hausmeister erspähte uns auf dem Schlosshof und öffnete spontan die Schlosskapelle mit einem kleinen Raum im Türmchen nebenan, der für standesamtliche Trauungen genannt wird.

Im Hof von Schloss Obersontheim.

06.06.2015

Bevor wir uns wieder den Hohenlohern und Hessen-Homburgern zuwandten, widmeten wir uns am Morgen der dank der Weltliteratur berühmtesten Adelsfamilie der Region. Die „Götzenburg“ in Jagsthausen gehört noch heute der Familie von Berlichingen. Das Schlossmuseum dort ist winzig, bewahrt in seinem einzigen Raum aber hochkarätige Exponate auf: eine der spätesten Inschriften vom obergermanischen Limes aus dem Jahr 249, vor allem aber zahlreiche Gegenstände aus dem Besitz Götz von Berlichingens, darunter zwei seiner eisernen Hände.

Nach der Stippvisite im Schloss ging es ins nebenan gelegene Kloster Schöntal. Obwohl die Anlage als Zisterzienserkloster schon im Mittelalter angelegt wurde, erlebte es seine Blütezeit erst um 1700. Nachdem es mehrfach in den kriegerischen Auseinandersetzungen der Frühneuzeit zerstört und geplündert wurde, wurde es zwischen 1694 und 1707 von Baumeister Leonhard Dientzenhofer barock ausgebaut. Pracht nicht nur in der Kirche, sondern auch im Konventsgebäude, wo vor allem eine Tapete in einem der Wartezimmer des Abtes mit einer summarischen Darstellung der katholischen Orden und ihrer Trachten beeindruckte. Unser Restaurant befand sich im Badehaus der Mönche.

Nicht leicht war die Anfahrt mit dem Bus zu unserem nächsten Ziel, dem Ort Bartenstein. In dem kleinen Dorf – auch heute hat der Ort nicht mehr als 390 Einwohner – befand sich die Residenz von Karl Philipp Franz von Hohenlohe-Bartenstein und seiner Frau, der mehrfach erwähnten Sophia Friderica. Ab etwa 1750 ließ er Schloss und Ort Bartenstein planmäßig ausbauen. Das Ensemble hat sich bis heute weitgehend authentisch erhalten und lässt den Charakter der einstigen Residenzstadt nach wie vor erkennen. Leider sind Schloss, Schlosskirche und der Innenhof nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, so dass unser Besuch nur kurz währte.

Schließlich besuchten wir noch die nahe Bad Mergentheims gelegene „Stuppacher Madonna“. Der Altar, eines der berühmtesten Werke von Matthias Grünewald, ist in einer kleinen Kapelle in Stuppach untergebracht. Herr Maier erläuterte die Werksgeschichte und die kunsthistorische Bedeutung der Darstellung.

In der Götzenburg in Jagsthausen.

07.06.2015

Abschied aus dem Hohenloher Land! Aber nicht, ohne noch einen Hauptsitz der Fürsten von Hohenlohe zu besuchen – das Schloss in Neuenstein. „Wo ist der Blasenstein?“ lautete die Frage einiger Teilnehmer nach dem berühmtesten Exponat des Schlosses – vergeblich: der berühmte faustgroße Blasenstein des Grafen von Nimburg befand sich als Leihgabe in einer Landesausstellung. Viel zu sehen aus der Sammlung der Fürsten gab es trotzdem – darunter mehrere ausgestopfte Bären erlegt vom jagdbegeisterten Fürsten Christian Kraft von Hohenlohe-Öhringen, Hundeharnische, Prunkrüstungen, eine Leichenzug-Darstellung aus dem 17. Jahrhundert. Baulich besonders beeindruckend war die spätmittelalterliche Schlossküche.

Zum Abschluss besuchten wir noch Öhringen. Auch hier bestand ein Taunusbezug – der Kronberger Pfarrer und Aufklärer Johann Ludwig Christ, heute vor allem bekannt durch seine Abhandlungen zum Obstbau, war ein Sohn der Stadt. Die Stadtführung konzentrierte sich vor allem auf den Markplatz mit einem weiteren Hohenloher Schloss und der Stiftskirche. Der architektonisch schlichte gotische Bau beherbergte hochkarätige Kunstwerke – allen voran der spätmittelalterliche Schnitzaltar mit sehr lebendig wirkenden Figuren von Maria und den heiligen Peter, Paul, Veit und Hieronymus. In der Krypta gibt es einige sehr alte Kunstwerke zu sehen, darunter zwei romanische Löwenskulpturen und den Sarkophag der Adelheid von Metz, Mutter Kaiser Konrad II – aber auch der Kindersarkophag des im Alter von vier Jahren in Öhringen wohl auf der Durchreise gestorbenen Georg von Erbach, wie schlafend dargestellt.

Für die kommende große Exkursion im Jahr 2016 denken wir derzeit noch über das Ziel nach, es steht aber schon fest, dass sie wieder an Fronleichnam und den nachfolgende drei Tagen stattfinden wird.