Der Architekt Louis Jacobi (1836-1910) – Wiedererbauer der Saalburg und Homburger Ehrenbürger

„Liebe Eltern, ich habe mich nun seyd einiger Zeit entschlossen, ein ordentlicher Mensch zu werden und darum bitte ich Euch um Verzeihung um alles was ich Euch beleidigt, in meinen Briefen so wie zu Haus“. Louis Jacobi schrieb dies zu Neujahr 1852 aus Buffalo im Staate New York an seine Eltern in Homburg; er war damals 16 Jahre alt. Ein „ordentlicher Mensch“ ist er sicherlich geworden, der spätere „Geheime Baurat“, Professor, der Ehrenbürger Homburgs, um nur einige Titel und Ehrungen zu nennen, und vor allem ist er bekannt geworden als Wiedererbauer der Saalburg und ihr erster Direktor.
Der Lebensweg dieses so vielseitigen Mannes ist eine nähere Betrachtung wert: Wie wurde er der Baumeister und Ehrenbürger Homburgs? Wie kam er in vertrauten Umgang mit dem Hohenzollernhaus und wurde schließlich von Kaiser Wilhelm II. mit der Rekonstruktion des
Limeskastells Saalburg betraut? Seine persönliche Biographie ist eng verbunden mit der Geschichte der Stadt Homburg in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seine Aktivitäten in und für Homburg machten ihn zum Homburger Bürger „par excellence“. Seine Bauten und die
von ihm angeregten Denkmäler sind heute noch im Stadtbild Bad Homburgs sehr präsent. Die rekonstruierte Saalburg mit ihrem archäologischen Park ist ein Anziehungspunkt für Groß und Klein nahe Bad Homburg geworden.


Lehrjahre in Amerika
Den Brief schrieb Jacobi aus Amerika an seine Eltern in Homburg. Wie kam es, dass er als so junger Mensch allein Erfahrungen in Übersee sammeln konnte? Es war zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich, dass Jugendliche in der Neuen Welt ihr Glück versuchten, wenn sie in der
alten Heimat keine geeignete Ausbildung oder Arbeit fanden. Auch für Friedrich Ludwig Christian Jacobi, geboren am 21. April 1836 in Homburg vor der Höhe, waren die Aussichten in der kleinen Landgrafschaft nicht besonders verheißungsvoll. Sein Vater Heinrich Christian
war landgräflicher Haushofmeister, seine Mutter Susanne war die Tochter des Bäckermeisters Konrad Kessel. Louis wurde er offenbar nach dem Dienstherrn des Vaters, dem Landgrafen Ludwig, genannt. Wie er in den „Notizen aus meinem Leben“ selbst berichtet, besuchte er die
allgemeine Bürgerschule und dann die Homburger Höhere Lehranstalt des Herrn Goepel. Louis war technisch interessiert, fand aber in Homburg keine geeignete Ausbildungsstelle und seine Eltern hatten nicht die Mittel ihn auswärts lernen zu lassen. So war er auf seine eigene
Initiative angewiesen – aber die war stark. 1850, im Alter von knapp 15 Jahren, folgte er der Aufforderung von Verwandten, die nach Amerika ausgewandert waren, zu ihnen nach Buffalo zu kommen, wo die Chancen für lern- und arbeitswillige junge Leute gut stünden. Er fuhr
1850 über Frankfurt per Schiff nach Mainz, dann über London auf dem Segelschiff „Independence“ nach New York. Von dort ging es nach Buffalo am Erie-See, nahe der kanadischen Grenze, wo sein Onkel Kessel (Bruder der Mutter) und sein Großonkel Hammerschmidt (Bruder der Großmutter) lebten. In seinen autobiographischen Notizen und den sehr lebendigen Briefen an die Eltern schildert der junge Louis seinen Ausbildungsgang und seine Arbeits- und Lebensbedingungen in der Neuen Welt. Er lernte zunächst in einer Maschinenfabrik, dann in einer Schreinerei. Hierzu heißt es in einem Brief: „Die Arbeitszeit währte von 7 Uhr morgens bis 6 Uhr abends – dazwischen suchte ich mich weiter theoretisch auszubilden, besuchte eine englische gewerbliche Abendschule“. Nach Beendigung der Ausbildung suchte er sich weitere Arbeit, scheute vor Stellenwechsel nicht zurück.

 

„Revolutionäre“ Gedanken über Freiheit in Amerika und Unfreiheit daheim
In seinen Briefen berichtete er den Eltern nicht nur über die Arbeitsbedingungen in den USA; er machte sich auch Gedanken über die unterschiedlichen politischen Verhältnisse in Amerika und in Deutschland. In einem Brief vergleicht er sogar die amerikanische Freiheit mit den
„Fesseln der Tyrannei“ in Deutschland. „Liebe Eltern, Freunde“, schrieb er 1852, „greift zu den Waffen um euch los zu machen von den Fesseln der Tyrannei, denn sonst seyd ihr verloren wenn ihr fürstlich gesinnt seyd, denn nur da kann man vergnügt leben wo Freiheit
herrscht.“ Diese revolutionäre Phase musste Louis’ Vater, den landgräflichen Beamten, natürlich beunruhigen. Er rief den Sohn in einem heftigen Brief zur Ordnung: „Louis ich verbitte mir in Zukunft solch schlechtes und niederträchtiges demokratisches Schreiben.“
Dieser Ausdruck jugendlichen Ungestüms scheint aber keine unmittelbaren Folgen gehabt zu haben. Vorerst boten sich Louis Jacobis Freiheitsdrang ja viele Möglichkeiten: Er zog 1855 zusammen mit einem Freund in das Innere der Vereinigten Staaten: über Cincinnati zunächst
bis nach St. Louis, dann weiter nach St. Joseph, der damals am weitesten westlich vorgeschobenen Siedlung am Missouri. Dort war die Grenze zu den vor allem von Indianern bewohnten Gebieten: der „Wilde Westen“. Kurz vor seiner Rückkehr nach Homburg 1856 erlangte er noch in Buffalo die amerikanische Staatsbürgerschaft, was ihn allerdings nicht daran hinderte, nach seiner Rückkehr 1864 das Homburger Bürgerrecht zu erwerben. Louis hatte wohl zunächst die Absicht gehabt, eines Tages in die USA zurückzukehren, aber nun boten sich ihm auch in Deutschland gute Berufschancen.

Architekturstudium in Karlsruhe und erste Arbeiten in Homburg
Er studierte von 1857 bis 1860 Architektur in der Polytechnischen Schule Karlsruhe, ging für einige Zeit zu einem Bauunternehmen in Mühlhausen im Elsass und wurde dann für die Kurhauspachtgesellschaft in Homburg beim Um- bzw. Neubau des Kurhauses (1861-1865) durch den belgischen Architekten Jean-Pierre Cluysenaar tätig. Nach Erledigung des Kurhausbaus betraute ihn der Spielbankpächter François Blanc mit der verantwortlichen Leitung aller mit dem Badewesen zusammenhängenden Bauten, dazu gehören u.a. der Umbau der Orangerie zur Wandelhalle und einige Brunnenfassungen. Er wurde bald Vertrauter Blancs und 1870 sein Stellvertreter, wenn sich dieser wie oft im Ausland aufhielt. Durch diese Stellung machte Louis Jacobi rasch Karriere als Architekt, nebenbei war er auch freischaffend tätig („Privatarchitekt“) und baute zahlreiche Häuser in Homburg.

Familie
1865 heiratete er Henriette, die Tochter des Geheimen Regierungsrates Heinrich Will, der in der Verwaltung des kleinen Staatswesens eine nicht unwichtige Stellung einnahm und auch in der Homburger Bürgerschaft gut vernetzt war. Von Henriette Jacobi ist leider kein Bild
überliefert und es ist auch nicht viel aus ihrem Leben bekannt. Sie war eine treue und gute Mitarbeiterin ihres Mannes, nahm an seinen lokalhistorischen und archäologischen Arbeiten teil und half ihm bei der Ordnung und Katalogisierung u.a. seiner Sammlung der
Saalburgfunde. Der Ehe entstammten vier Kinder, von denen nur die beiden Söhne das Kindesalter überlebten: Heinrich, geb. 1866 und Friedrich Richard Ernst, geb. 1867. Heinrich Jacobi ist in vielem in seines Vaters Fußstapfen getreten. Er war Architekt, daneben Assistent
seines Vaters und später sein Nachfolger in der Leitung des Saalburgmuseums.

Homburger Bürger und Volksvertreter
Louis Jacobis öffentliche Tätigkeit war sehr vielfältig: Nur zwei Beispiele: Erstmals engagierte er sich 1863 für öffentliche Belange als Mitbegründer einer privaten Handwerkerschule. 1864 trat Louis Jacobi in die Homburger Freiwillige Feuerwehr ein, der er bis zu seinem Tode, zuletzt als Ehrenbranddirektor, angehörte. Als Jacobi in die Feuerwehr eintrat, war in Homburg noch Landgrafenzeit. Der eigentliche Beginn seiner politischen Tätigkeit fiel aber in eine neue Epoche der Homburger Geschichte. Das Schicksalsjahr 1866 brachte auch für das Gebiet der Landgrafschaft Hessen-Homburg eine völlig neue Situation, die Annexion durch Preußen und die Eingliederung in das große und wirtschaftlich starke Königreich. Die erste kommunale Wahl fand 1868 statt, dabei wurden neben Louis Jacobi u.a. der Herausgeber des Taunusboten Georg Schudt und der Apotheker Adolf Rüdiger zu Gemeinderäten gewählt. Auch im Kreistag, der Vertretung des Obertaunuskreises, hatte Jacobi seit 1878 langjährige Mandate. Er wurde in den Bezirksrat gewählt und damit Abgeordneter zum Kreistag.


Als Preußen alle Spielbanken auflöste und es auch in Homburg am 31.12.1872 hieß: „Rien ne va plus“, musste die Spielbankgesellschaft aufgelöst werden. Jacobi wirkte 1872-1878 als Mitglied der Liquidationskommission und sorgte mit für einen weitgehend reibungslosen
Übergang der Kureinrichtungen an die Stadt. Die Abwicklung dieser komplizierten Geschäfte, die Übernahme von Immobilien und Anlagen in das Gemeindevermögen etc. erforderten viel Verhandlungsgeschick und die Abwägung unterschiedlicher Interessen.

Wiedererbauer der Saalburg
Schon 1868 hatte sich König Wilhelm I., der spätere Deutsche Kaiser, das Schloss Homburg samt Gärten und Parks zur ausschließlichen Benutzung vorbehalten. Die Herrscherfamilie hielt sich in der Folgezeit häufig hier auf. Intensiv wurde der Kontakt nach 1870. Jacobi baute
1870/71 für die Verwundeten des deutsch-französischen Kriegs als Feuerwehr- und Rotkreuzmitglied ein Musterlazarett nach Angaben der Kronprinzessin Victoria, späteren Kaiserin Friedrich. So kam er in nähere Verbindung zu den Hohenzollern. Später erhielt er viele Aufträge für die kaiserliche Familie (Umbaumaßnahmen am Homburger Schloss, Anbau der Romanischen Halle; Erhaltung und Renovierung der Burg Kronberg für Kaiserin Friedrich).
Dieses Zusammentreffen wurde auch bedeutsam für die Rekonstruktion des Limeskastells Saalburg, die ohne die kaiserliche Anteilnahme nicht oder jedenfalls nicht in der Form erfolgt wäre. Louis Jacobi interessierte sich bereits seit längerem für die Ausgrabungen an der Saalburg. Seit 1871 war er an der Limesforschung beteiligt und befasste sich an den Saalburg-Ausgrabungen. 1872 wurde u.a. auf Initiative Jacobis die Vereinigung der Saalburgfreunde in Homburg gegründet, aus welcher 1875 der Verein für Geschichte und Altertumskunde zu Homburg hervorging.


Louis Jacobi widmete sein 1897 erschienenes großes Werk „Das Römerkastell Saalburg bei Homburg v.d.H.“ der Kaiserin Friedrich, die es ihrem Sohn Wilhelm II. empfahl. Jacobis Mitwirkung war es vor allem zuzuschreiben, dass der Kaiser 1897 den Entschluss fasste, die Saalburg rekonstruieren zu lassen: „zur bleibenden Erinnerung an meinen hochseeligen Vater“ und mit dem Ziel, dass „der inmitten der ursprünglichen Umgebung errichtete Bau und die übersichtliche Zusammenfassung der am Limes gemachten Funde wohl geeignet seien, reiche Belehrung zu bieten und die Limesarbeiten würdig zu krönen.“ 1898 wurde Louis Jacobi mit Planung und Leitung der Arbeiten beauftragt. Die Grundsteinlegung des Praetoriums erfolgte 1900. In den folgenden Jahren ging der Aufbau zügig voran. Louis Jacobi und sein Sohn Heinrich, der seit 1899 sein Mitarbeiter war, führten sorgfältige Forschungen durch, um möglichst historisch einwandfreie Ergebnisse im Wiederaufbau des Kastells zu erzielen. Das Saalburg-Museum für die Präsentation der Funde wurde 1907 eingeweiht. Jacobi wurde sein erster Direktor.

Von den zahlreichen Bauten Louis Jacobis, die auch heute noch das Homburger Stadtbild prägen, seien nur genannt: das Kaiser-Wilhelms-Bad im Kurpark, die Marktlauben, zahlreiche Villen in der Louisenstraße und der Kaiser-Friedrich-Promenade (siehe Bildergalerie am Ende dieses Textes).

Auch an etlichen Sakralbauten war Jacobi beteiligt: Russische Kirche und Russisches Pfarrhaus, Grabkapelle Jung auf dem katholischen Friedhof, Jüdisches Gemeindehaus und Leichenhalle auf dem jüdischen Friedhof, und vor allem hatte er als Mitglied des
evangelischen Kirchenvorstands großen Anteil am der Erbauung der Erlöserkirche. Er gab Anregungen und machte Entwürfe für Denkmäler: Landgrafendenkmal im englischen Garten, Hölderlin-Denkmal, Denkmal für Johann Christian Rind. Noch viele weitere Bauten wären zu
nennen.


Spaziergänge auf den Spuren Louis Jacobis im Rahmen des Jacobi-Jahrs zeigen den Interessierten, wie vielfältig das Wirken dieses Baumeisters und Bürgers Homburgs war; siehe dazu die nachstehende Bildergalerie

© Barbara Dölemeyer, Bad Homburg 2010

 





Bilder zum Jacobi-Beitrag

Bildlegenden (von links nach rechts):

1 Die Stationen Jacobis in Amerika

2 Wegweiser für einen Jacobi-Spaziergang in Bad Homburg (Grafik Dölemeyer)

3 Portrait-Plakette für Louis Jacobi

4 + 5 Haus Kaiser-Friedrich-Promenade 43 - heutiger Zustand (Foto Dölemeyer) und Entwurf Jacobis 1863

6 Marktlauben (Foto Dölemeyer 2010)

7 Romanische Halle (Foto Dölemeyer 1985). Diesen Anbau am Bibliotheksflügel des Schlosses ist ein Teil der Umbaumaßnahmen, die Jacobi für das Kaiserhaus ausführte

8 Wandelhalle am Elisabethebrunnen (Foto Dölemeyer 1985)

 

Louis Jacobi und Jacob May

Neue Mauerstraße 12, Büste Friedrich II.

Wenn wir vor dem Haus Neue Mauerstraße 12 stehen und unser wiedergekehrtes „Fritzchen“ begrüßen (Büste Landgraf Friedrichs II. von Hessen-Homburg), erinnert uns dies – gerade im Jacobi-Jahr 2010 – an die enge Zusammenarbeit des Bildhauers Jacob May mit Louis Jacobi, die bis auf den Kurhausneubau 1861-1865 zurückgeht, den Jacobi als Assistent Jean-Pierre Cluysenaars leitete.

 

Foto Dölemeyer

Jacob May, Foto privat

Dabei hat er bereits mit der Firma May aus Villmar an der Lahn zu tun gehabt und wohl auch den jungen Steinmetz und Bildhauer Jacob May kennen gelernt. Nachdem die Firma May mit Marmorarbeiten für den Kurhausneubau und auch für Homburger Hotels gut ins Geschäft gekommen war, wollte Jacob May dies am Platze betreiben und sich hier niederlassen. Das war damals nicht so einfach. May schrieb in seinem Aufnahmegesuch, er habe die Absicht, seinen Wohnsitz in Homburg und „eine Werkstätte behufs Anfertigung von Marmortischen, Kanzeln, Altären, Ornamenten, Brunnenfiguren, Grabsteinen etc. anzulegen“. Er führte auch an, dass sich in Homburg kein derartiges Geschäft befände und niemand Nachteile dadurch hätte. Dennoch wurden das erste und ein weiteres Gesuch abgelehnt. Erst am 28. Juni 1864 wurde er Homburger Bürger, im selben Jahr wie Louis Jacobi.

Anzeige Firma May, aus Privatbesitz

1865 baute May sein Haus in der Neuen Mauerstraße 12. An dessen Frontseite waren die Daten 1865 und 1905 jeweils mit der Initiale M (in unterschiedlicher Form) zu sehen; am Giebel befand sich eine Büste Landgraf Friedrichs II. von Hessen-Homburg, ein Exemplar des Abgusses der Portraitbüste von Schlüter, den Jacob May im Auftrage des Kronprinzen Friedrich für das Hohenzollern-Museum in Potsdam anfertigte und wofür er 1876 das Prädikat eines Königlichen Hofsteinmetzmeisters erhielt. An dem Neubau, der sein Haus in der Neuen Mauerstraße 12 ersetzte, wurde jüngst eine Nachbildung des Abgusses (gesponsert durch die Gertrud-May-Kofler-Stiftung) wieder angebracht.

Plakette Ferdinand von O. Krüger-Stohlmann

Vier bekannte größere Denkmalbauten – drei in Homburg, eines in Wiesbaden wurden von Jacobi entworfen und von May ausgeführt. Es sind dies in zeitlicher Reihenfolge: das Landgrafendenkmal im Englischen Garten (eingeweiht 1871), das Denkmal der 80er auf dem ehemaligen Exerzierplatz in Wiesbaden (1874), heute Schiersteiner Straße, das Hölderlin-Denkmal im Homburger Kurpark (enthüllt 1883), und – von ihm begonnen, nach seinem Tode von seinem Sohn Jacob May jr. vollendet – das Rind'sche Denkmal am Eingang zur Homburger Altstadt (eingeweiht 1898).

 

Foto Dölemeyer

Denkmal der 80er in Wiesbaden

An zahlreichen Bauten, die Louis Jacobi entwarf oder betreute, war Jacob May mit bildhauerischen Arbeiten, Ausschmückungen aller Art, außerdem seine Firma mit Marmor- und Steinmetzarbeiten beteiligt. Genau lassen sich die Leistungen nicht abgrenzen; jedenfalls kann man sagen, dass die Arbeiten Mays über das rein Handwerkliche in vielen Fällen hinausgingen. Das Verhältnis zur Familie Jacobi war wohl ein vertrautes, wenn nicht freundschaftliches.

 

Foto Dölemeyer

Tympanonrelief an der Kirche Gonzenheim

Jacob May u.a. hat am Um- bzw. Neubau der Gonzenheimer Kirche 1876/77 mitgewirkt und die Steinmetzarbeiten geliefert; von ihm stammt auch das Tympanonrelief im Portal der Gonzenheimer Kirche. Bei der Einweihung der Kirche 1877 vertrat er Jacobi, der verhindert war, bei der feierlichen Schlüsselübergabe an den Konsistorialrat Lohmann.

 

Foto Dölemeyer

Zusätzliche Verbindungen zwischen Jacobi und May bestanden durch gemeinsame Mitgliedschaft in vielen Homburger Vereinen. Bürgerschaftliches Engagement war ein wesentlicher Bestandteil des städtischen Lebens und wie der Jacobis taucht auch der Name May immer wieder in diesem Zusammenhang auf. Auch für die 1863 von Jacobi, Steinhäußer und Seidenstricker gegründete Handwerkerschule engagierte sich Jacob May: Er unterrichtete die Jugendlichen im Modellieren. Nach der Schließung der Schule ließ May – ebenso wie Jacobi – nicht locker im Bemühen um die Förderung der gewerblichen Bildung. Er war Gründungsmitglied, Erster Vorsitzender, zuletzt Ehrenmitglied des 1883 gegründeten Homburger Gewerbevereins, auch Mitgründer der neuen Gewerbeschule, die 1883 eröffnet wurde und unterrichtete dort zeitweise im Modellieren und Zeichnen. Im Krieg 1870/71, als sich Jacobi um die Verwundetenbetreuung verdient machte und in Zusammenarbeit mit Kronprinzessin Viktoria eine Muster-Lazarettbaracke auf dem Hof der Homburger Kaserne plante und entwarf, engagierte sich auch Jacob May als Mitglied der Feuerwehr für die Verwundetenpflege und den Wachdienst, wofür er die „Medaille für Nichtkombattanten“ sowie 1891 eine Ehrenurkunde erhielt. Jacob May interessierte sich wie Louis Jacobi auch für die ältere und jüngere Geschichte seiner neuen Heimat: Er war Förderer und Mitarbeiter des Saalburgmuseums als Mitglied des von Jacobi mit begründeten Vereins für Geschichte und Altertumskunde.

Katholischer Friedhof, Grabkapelle Jung

Für den katholischen Friedhof am Gluckensteinweg hat Jacob May die von Therese Michon, gestiftete Kreuzigungsgruppe entworfen, die am 1. November 1887 eingeweiht wurde. Die Fertigstellung der Figur zu seinem eigenen Familiengrabmal blieb ihm jedoch versagt. Diese Grabstätte liegt direkt neben der von Louis Jacobi entworfenen Grabkapelle Jung auf dem katholischen Friedhof, zu welcher May auch die Steinhauerarbeiten geliefert hat.

 

Foto Dölemeyer

 

 

 

 

 

 

© Barbara Dölemeyer, Bad Homburg 2010