Neue Vortragsreihe: FrauenGeschichte(n)

Das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main bietet eine Vortragsreihe über bedeutende Frankfurter Frauen an, die dennoch ein breiten Öffentlichkeit unbekannt sind.

 

Die Vorträge finden im Karmleiterkloster Frankfurt, Münzgasse 9, statt und beginnen jeweils um 18:30 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldug ist nicht erforderlich!

 

Frauen-Geschichte(n) 4
Montag, 20. Februar 2012, 18:30 Uhr

Prof. Dr. Kurt Wettengl, Dortmund, Frankfurt am Main
Maria Sibylla Merian (1647-1717). Künstlerin und Naturforscherin


Maria Sibylla Merian wurde am 2. April 1647 als erstes Kind von Matthäus Merian d. Ä. und seiner Frau Johanna Sibylla in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Tod des Vaters 1650 heiratete die Mutter den Maler Jakob Marrel, ein Schüler des Stilllebenmalers Georg Flegel. Kunstunterricht erhielt Maria Sibylla Merian von ihrem Stiefvater und dessen Schüler Abraham Mignon. Zudem begann sie im Alter von 13 Jahren mit ihren lebenslang geführten naturkundlichen Studien.

 

Der Vortrag zeichnet die Lebensstationen der Künstlerin und Naturforscherin nach: Die Frankfurter und Nürnberger Jahre, ihr Leben in der Labadisten-Gemeinde im westfriesischen Waltha und in Amsterdam, die Reise nach Surinam sowie ihre letzten Lebensjahre in Amsterdam. Im Unterschied zu zahlreichen literarischen Verarbeitungen des Lebens der selbstbewussten Künstlerin und Forscherin, die zwei Töchter aufzog und sich von ihrem Ehemann trennte, wird der Vortrag die Lücken in der biografischen Überlieferung nicht durch Fiktionen ergänzen. Neuere Forschungen zur Frankfurter Religionsgeschichte bieten dabei interessante Ansatzpunkte für die Antwort auf die Frage, wieso Maria Sibylla Merian sich zumindest zeitweilig für ein Leben in der klösterlichen Gemeinschaft der Labadisten im entlegenen Friesland entschieden hat.

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Frauen-Geschichte(n) 5
Montag,19. März 2012, 18:30 Uhr

Hanna Becker-Eckhardt, Frankfurt am Main
Toni Sender: Rebellin – Demokratin –Weltbürgerin


„Rebellin, Demokratin, Weltbürgerin“ nannte eine Ausstellung vor 20 Jahren die 1888 im heute zu Wiesbaden gehörenden Biebrich geborene und 1991 in den USA verstorbene Sidonie Zippora – genannt Toni – Sender. In jüdischbürgerliche Verhältnisse hineingeboren, engagierte sie sich zunächst gewerkschaftlich im Zentralverband der Angestellten, dann auch politisch, vor allem für Frauenrechte, auf lokaler und reichsweiter Ebene. Die Mitgründerin der USPD, langjährige Frankfurter Stadtverordnete und SPD-Reichstagsabgeordnete flüchtete nach offenen Morddrohungen 1933 aus Nazideutschland.
In der Nachkriegszeit arbeitete sie jahrelang bei den Vereinten Nationen. Obwohl Toni Sender nach dem Krieg Frankfurt wieder besuchte und sich für die Neugründung der Akademie der Arbeit einsetzte, fand sie hier kaum Beachtung. Erst mit der Veröffentlichung ihrer „Autobiographie einer deutschen
Rebellin“ 1981 lebte das Interesse an der Person Toni Senders wieder auf. Der Vortrag wirft einen Blick auf ein ungewöhnliches, wegweisendes Frauenleben im 20. Jahrhundert.


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Frauen-Geschichte(n) 6

Montag,16. April 2012, 18:30 Uhr

 

Dr. Claudia Becker, Frankfurt am Main
„In seiner Blüte bleicht mein Leben“. Die Altistin Magda Spiegel (1887-1944)


Claudia Becker skizziert die eindrucksvollen und humorvollen Aspekte der
Persönlichkeit der Frankfurter Opernsängerin Magda Spiegel und untermalt
diese mit originalen Tonaufnahmen. Die großartige Altistin zählte in
den 20er Jahren zu den bedeutenden deutschsprachigen Sängerinnen des
20. Jahrhunderts: Verehrt als Interpretin in den Opern Wagners, Verdis und
Strauss’, bewundert für ihr tiefes Timbre und ihren weiten Stimmumfang
war sie der gefeierter Star des Frankfurter Opernhauses und umjubelter Gast
auf europäischen Bühnen. 1887 geboren in Prag, debütierte sie 19jährig am
dortigen Neuen Deutschen Theater. Nach verschiedenen Engagements wurde
Magda Spiegel 1916 als erste dramatische Altistin an die Frankfurter Oper
geholt, der sie bis 1935 angehörte. Wegen ihrer überragenden Interpretation
der Prinzessin Eboli in Verdis Don Carlos zählte Theodor Adorno sie 1932 zu
den bedeutendsten Altistinnen des deutschsprachigen Raumes. Aber schon
ein Jahr später kam es weniger auf ihre gesanglichen Qualitäten als auf ihre
jüdische Herkunft an. Magda Spiegel wurde mit unbedeutenden Rollen abgespeist,
von der nationalsozialistischen Presse desavouiert, entlassen, verfolgt,
in Auschwitz ermordet - und schließlich vergessen.

Das Gedächtnis Frankfurts - 575 Jahre Institut für Stadtgeschichte

Ausstellung des Instituts für Stadtgeschichte vom 13. September 2011 bis 29. April 2012

Ausstellung verlängert! Eintritt frei

 

Öffnungszeiten: Mo - Do 10 - 18 Uhr, Sa + So 11 - 18 Uhr

Die Ausstellung zeigt die traditionsreiche Geschichte des Instituts für Stadtgeschichte und seine wechselnden Aufgabenstellungen. Zunächst ausschließlich als Altregistratur der Stadtverwaltung genutzt und öffetnlich nicht zugänglich, entwickelte es sich mit dem Entstehen der modernen Geschichstwissenschaft zum historischen Archiv. Heute gehört das ISG zu den bedeutensten Kommunalarchiven Deutschlands und aknn inzwischen auf eine lange Tradition aktiver Geschichtsvermittlung zurückblicken.